2 Post-Karten

Das sind 2 Post-Karten.
Früher gibt es viele Post-Karten von Anstalten.
Das sind besondere Kranken-Häuser.
Die Post-Karten sind für Patienten.
Damit sie nach Hause einen Gruß schicken können.

Die eine Post-Karte ist ein Bild von der Anstalt Kutzen-Berg.
Das ist ein besonderes Kranken-Haus in Bayern.
Das ist in Süd-Deutsch-Land.
Dort ist Hans Buhlrich Patient.
Er wird dort ermordet im Jahr 1941.

Die andere Post-Karte ist von der Anstalt in Lüne-Burg.
Es sind drei Häuser gut zu erkennen.
Haus 23.
Haus 24.
Und Haus 25.
In der Nazi-Zeit sind alle 3 Häuser Kinder-Fach-Abteilung.
Dort werden Kinder ermordet.
Auch die Schwestern Erika und Margret Buhlrich.

3 Fotos von Familie Daps

Das sind 3 Fotos.
Sie gehören zu Friedrich Daps.
Friedrich ist ein Opfer der Kinder-Fach-Abteilung.
Er wurde als Kind-Patient in der Anstalt Lüne-Burg ermordet.

Auf dem ganz oben sind die Groß-Eltern von Friedrich Daps.
Auf dem Foto in der Mitte sind die beiden Onkel links.
Ganz rechts ist der Vater von Friedrich zu sehen.
Auf dem Foto ganz unten ist ein Cousin von Friedrich.
Er stirb in Australien.

Sein Sohn verliert den Kontakt zur deutschen Familie.
Über 60 Jahre vergehen
Dann findet der Sohn die Geschichte von Friedrich im Internet.
Die deutsche und die australische Familie finden wieder zusammen.

Ein anderer Cousin heißt Walter Daps.
Er erforscht die Geschichte von Friedrich.
Und er lässt eine Straße nach Friedrich benennen.
Und er lässt einen Stolper-Stein setzen für Friedrich.
So wird Friedrich nicht mehr vergessen.

Friedrich Daps

Friedrich Daps ist am 4. Oktober 1933 in Isern-Hagen geboren.
Das ist in der Nähe von Hannover.
Hannover ist die Haupt-Stadt von Nieder-Sachsen.
Er hat 2 Brüder.
Sie sind jünger.

Friedrich ist das erste Kind.
Die Mutter kann sich nicht gut um Friedrich kümmern.
Sie hat nicht genug Kraft für Friedrich.
Und die Eltern haben ein Problem mit seiner Behinderung.
Friedrich kommt mit 4 Jahren in ein Heim.

Das Heim ist die Pestalozzi-Stiftung.
Die gibt es auch heute noch.
Friedrich soll nur wenige Tage da sein.
Doch es kommt anders.

Ein Arzt unter-sucht Friedrich.
Er stellt fest:
Friedrich will nicht mit anderen Kindern spielen.
Er ist sehr unruhig und wild.
Er macht nichts was man ihm sagt.
Er kann nicht hören und sprechen.
Er ist dumm.

Der Arzt entscheidet:
Friedrich muss in eine Anstalt.
Eine Anstalt ist ein besonderes Kranken-Haus.
2 Tage später kommt er in eine Anstalt in Hannover.

Friedrich soll schnell weg.
Die Pestalozzi-Stiftung will ihn los-werden.
Die Anstalt in Hannover ist sehr überrascht.
Die Eltern von Friedrich werden nicht gefragt.

Friedrich kommt nach 8 Monaten in eine zweite Anstalt.
Die ist in Roten-Burg.
Dort bleibt Friedrich 2 Jahre und 7 Monate.

Dort interessiert er sich nur für besondere Sachen.
Zum Beispiel für Licht, Glitzern, Brummen.
Ärzte denken deshalb:
Friedrich ist dumm und blöde.

Im Jahr 1941 kommt Friedrich nach Lüne-Burg.
In ein Kranken-Haus.
Er kommt in die Kinder-Fach-Abteilung.
Er kommt in das Haus 25.

Der Lüne-Burger Arzt entscheidet:
Friedrich wird nicht wieder gesund.
Er muss sterben.

Eine Kranken-Schwester gibt ihm ein Medikament.
Sie gibt ihm viel zu viel.
Damit Friedrich daran stirbt.
Er wird ermordet.

Er stirbt am 21. März 1942.
Da ist er 9 Jahre alt.

Der Arzt nimmt danach das Gehirn von Friedrich aus dem Kopf.
Er unter-sucht das Gehirn.
Und er schickt es in ein Kranken-Haus nach Hamburg.
Das bleibt alles geheim.

Friedrich wird auf dem Anstalts-Friedhof beerdigt.
Ohne die Eltern.
Sie bekommen die Nachricht über den Tod zu spät.
So schnell können sie nicht nach Lüne-Burg kommen.

Der Mord an Friedrich bleibt auch geheim.

Bis Forscher Teile von dem Gehirn von Friedrich finden.
Das ist erst 70 Jahre später.
Die Gehirn-Teile sind immer noch in dem Kranken-Haus in Hamburg.
Man hat sie einfach vergessen.
Nach dem Ende des Zweiten Welt-Krieges.

Auch die Gehirn-Teile von elf anderen Kindern wurden vergessen.
Alle diese Kinder wurden in Lüne-Burg ermordet.
In der Kinder-Fach-Abteilung in der Lüne-Burger Anstalt.

Die Gehirn-Teile werden 2013 beerdigt.
Es gibt eine Gedenk-Anlage.
Sie erinnert an Friedrich.

Im Jahr 2021 bekommt eine Straße den Namen Friedrich Daps-Weg.
Die Straße ist in der Nähe von der Pestalozzi-Stiftung.
Im Jahr 2022 bekommt Friedrich einen Stolper-Stein.
Er liegt vor dem Haus von der Familie von Friedrich.

Foto-Album

Das ist ein Foto-Album.

Von dem besonderen Kranken-Haus.

Es ist von 1906.

Da sind 40 Fotos drin.

Von Häusern vom besonderen Kranken-Haus.

Von dem Park vom Kranken-Haus.

Von einem Dorf für die Mitarbeiter.

Von den Patienten.

Bei ihrer Arbeit in einer Werk-Statt.

Oder auf dem Feld.

Und in ihrer Frei-Zeit.

Es gibt auch ein Gruppen-Bild.

Da ist Otto Snell drauf.

Er ist der 1. Chef-Arzt.

Er steht in der Mitte.

Günter Schulze

Günter ist Patient der Kinder-Fach-Abteilung.
Für vier Wochen.
Er stirbt am 5. August 1944.
Da ist er sieben Jahre alt.

Günter hatte vier Geschwister.
Seine jüngere Schwester ist Ulla.
Seine älteren Geschwister kümmern sich um ihn.
Er ist glücklich.
Er ist immer dabei.

Günter hat einen Wasser-Kopf.
Deswegen wird er gemeldet nach Berlin.
Dort entscheiden drei Ärzte:
Günter muss in eine Kinder-Fach-Abteilung.
Obwohl sie Günter gar nicht kennen.
Ohne ihn anzugucken.

Günter kann sprechen.
Er kann alleine essen.
Er kann laufen.
Er ist freundlich und fröhlich.
Aber der Arzt entscheidet trotzdem:
Günter muss sterben.
Weil er nicht zur Schule gehen kann.

Er wird mit einem Medikament ermordet.
Es geht schnell.

Seine Mutter entscheidet:
Die Leiche von Günter darf nicht in Lüne-Burg bleiben.
Sie muss nach Hannover.
Da wohnt die Familie.

Die Mutter von Günter ist wütend.
Über den Tod von Günter.
Sie bekommt eine Rechnung.
Sie soll für die Kinder-Fach-Abteilung bezahlen.
Sie sagt:
Nein!
Ich bezahle nicht für den Tod meines Kindes.
Sechs Monate sagt sie: Nein!

Dann ist der Krieg vorbei.
Es vergehen sechs Monate.
Es dauert.
Am Ende bekommt Mutter die Sachen von Günter zurück.
Wenigsten das.

Dorothea Kaliwe

Dorothea Kaliwe ist am 14. Januar 1890 geboren.
Sie ist die Jüngste von 11 Kindern.
Sie besucht eine gute Schule.
Danach wird sie Kinder-Gärtnerin.

Im Jahr 1910 heiratet sie den Förster Ernst Kaliwe.
Sie bekommen 3 Kinder:
Ernst, Günther und Ursula.
Ernst Kaliwe wird Förster in Heimbuch.
Das ist ein Ort in der Lüne-Burger Heide.

Dorothea Kaliwe bekommt Heim-Weh.
Und sie hat eine Fehl-Geburt.
Das ist zu viel für sie.
Sie wird krank.
Sie ist immerzu traurig.

Im Jahr 1924 kommt sie in die Lüne-Burger Anstalt.
Nach 3 Monaten darf sie wieder nach Hause.
Danach wird Ernst Kaliwe Förster in Scharnebeck.
Das ist in der Nähe von Lüne-Burg.

Ernst Kaliwe behandelt seine Ehe-Frau schlecht.
Er schlägt sie.
Dorothea Kaliwe wehrt sich.
Darüber ist Ernst Kaliwe sehr wütend.
Er bringt seine Frau Dorothea in die Anstalt zurück.
Das ist im September 1928.
Sie bleibt dort 15 Jahre.

In der Zwischenzeit heiratet ihre Tochter Ursula.
Sie heiratet auch einen Förster: Theo Zobel.
Ursula Zobel und ihr Ehe-Mann besuchen die Mutter.
Sie besuchen sie auch mit ihrem ersten Enkel-Kind.

Am 8. September 1943 wird Dorothea Kaliwe verlegt.
Sie kommt in die Tötungs-Anstalt Pfafferode.

Das hat Max Bräuner entschieden.
Max Bräuner ist der Ärztliche Direktor der Lüne-Burger Anstalt.
Der Ehe-Mann von Dorothea und Max Bräuner kennen sich.
Max Bräuner erzählt Ernst Kaliwe von der Verlegung seiner Ehe-Frau.

Ernst Kaliwe interessiert das nicht.
Es ist ihm egal.
Aber er erzählt der Tochter Ursula davon.
Sie und ihr Ehe-Mann Theo Zobel fahren Dorothea hinterher.
Sie wollen Dorothea retten.
Sie wollen ihre Ermordung verhindern.
Theo hat ein Gewehr dabei.
Damit droht er: Ich will meine Schwieger-Mutter mitnehmen.
Keiner hindert mich.
Wenn mich jemand daran hindert,
erschieße ich ihn.

Das hat Erfolg.
Ursula und Theo Zobel dürfen Dorothea mitnehmen.
Sie retten Dorothea.
Dorothea überlebt.

Sie wohnt ab dann bei ihrer Tochter Ursula.
Im Jahr 1967 stirbt sie als alte Frau.

Theo Zobel überlebt den Krieg nicht.
Er sagt: Ich finde nicht gut, was die Nazis machen.
Das ist verboten.
Er wird verraten.
Zur Strafe muss er in den Krieg.
Dort stirbt er im August 1944.

Baby-Foto

Das ist ein Foto von Ursula Zobel.
Sie ist das Baby auf dem Arm.

Sie ist auf dem Arm ihrer Groß-Mutter Dorothea Kaliwe.
Daneben steht die Mutter vom Baby.
Sie heißt auch Ursula und ist die Mutter vom Baby.
Das Foto ist in der Anstalt Lüne-Burg gemacht worden.
Im Dezember 1934.

Die Groß-Mutter Dorothea ist Patientin in der Anstalt.
Im Jahr 1943 kommt Dorothea in eine andere Anstalt.
Dort soll sie ermordet werden.

Aber sie wird gerettet.
Sie ist eine der wenigen Überlebenden der Mord-Aktion.
Ihre Tochter Ursula und ihr Ehe-Mann Theo retten sie.
Da ist das Baby Ursula schon 8 Jahre alt.
Ab dann wohnt die Groß-Mutter bei ihrer Tochter und Enkelin.

Christian Meins

Christian Meins ist am 10. Juni 1939 geboren.
Seine Eltern heißen Gretel und Hermann.
Sie sind gegen die Nazis.
Gretel ist Köchin.
Hermann ist Elektriker.

Christian ist das erste Kind.
Er hat eine Behinderung.
Seit seiner Geburt.

Christian entwickelt sich nicht gut.
Er hat Anfälle.
Er klappert gerne mit Türen.
Die Eltern machen sich Sorgen.
Sie fragen sich:
Was ist mit Christian los?
Wieso klappert er mit Türen?

Hermann arbeitet ganz viel.
Er braucht das Geld von der Arbeit.
Um einen Heil-Praktiker zu bezahlen.
Der unter-sucht Christian.

Die Eltern sind aber auch sehr glücklich über Christian.
Er ist ihr Prinz.
Er ist ihr Lieblings-Kind.

1942 gibt es einen Bomben-Angriff.
Das Wohn-Haus von Christian wird getroffen.
Es wird zerstört.
Sie haben kein zu Hause mehr.
Christian und die Eltern müssen weg aus Hamburg.

Sie kommen nach Burg-Dorf.
Dort fällt Christian auf.
Er muss zum Gesundheits-Amt.
Dort wird er von einem Arzt unter-sucht.
Der Arzt sagt:
Christian ist behindert.
Er darf nicht bei seiner Familie bleiben.
Sie können ihn nicht mit-nehmen.
Christian gehört in eine Kinder-Fach-Abteilung.
Sofort.

Hermann bringt seinen Sohn in die Kinder-Fach-Abteilung.
Das ist zwei Tage nach dem Besuch des Gesundheits-Amtes.
Hermann geht zurück nach Hamburg.
Er beschafft eine neue Unterkunft.
Danach kehrt Gretel mit ihren Eltern zurück.

Christian wurde ermordet.
Er ist ein Opfer des Patienten-Mordes der Nazis.
Das ist im August 1943.

Edel-Weiß-Anhänger

Das ist ein Anhänger.
Er ist eine Blume.
Die Blume heißt Edel-Weiß.
Der Anhänger gehört zu einer Jacke.
Und die Jacke gehört Christian Meins.

Christian Meins ist ein Kind aus Hamburg.
Sein Zu-Hause wird zerstört von einer Bombe.
Er muss in eine Not-Unterkunft.
Eine Pflegerin sagt:
Christian hat eine Behinderung.
Er ist nicht normal.
Er gehört in eine Kinder-Fach-Abteilung.

Er kommt in die Lüne-Burger Kinder-Fach-Abteilung.
Dort wird er ermordet.

Viele Jahr-Zehnte vergehen.
Seine Schwester Heidi Frahm sucht sein Grab.
Im Jahr 2021 findet sie es.
Es ist noch da.
Es ist in Lüne-Burg auf dem Zentral-Friedhof.
Sie besucht das Grab und bringt den Anhänger mit.
Der Anhänger ist das einzige Erinnerungs-Stück an ihren Bruder.

Thaddäus Cebula

Thaddäus Cebula ist in Polen geboren.
Im Jahr 1927.

1939 bricht der Krieg aus.
Thaddäus wird Zwangs-Arbeiter.
Er wird nach Deutsch-Land gebracht.
Gegen seinen Willen.

Er kommt nach Unter-Lüss.
Das ist in der Nähe von Uelzen.
Da muss er schwer arbeiten.
In einer Waffen-Fabrik.
Davon wird Thaddäus krank.
Er ist ja noch ein Jugendlicher.

Er wird Patient im besonderen Kranken-Haus.
Er kommt in die Ausländer-Sammel-Stelle.
Er trägt die Kleidung eines Häftlings:
Holz-Schuhe und gestreifte Hose und Hemd.
Das ist im Januar 1945.

Mitte April ist der Krieg aus.
Eine Woche danach stirbt Thaddäus.
Weil ihm niemand genug Essen gibt.
Er verhungert.
Weil ihm keiner hilft.