Luminal

Das Medikament mit dem Handelsnamen Luminal / Luminaletten (Wirkstoff Phenobarbital) wurde 1912 zugelassen und kam ab 1940 bis 1945 in der »Kinder-Euthanasie« zum Einsatz. Das Morden nach dem »Luminal-Schema« wurde in der »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen entwickelt.

Gemeinsam mit Morphium und Veronal gehört das Medikament zu den Betäubungsmitteln, den sogenannten Barbituraten. Es wird seit der Zulassung zur Epilepsiebehandlung eingesetzt und wurde lange Zeit als beliebtes Schlafmittel verwendet. In der populären Reihe »Geisteskrankenpflege. Ein Lehr- und Handbuch für Irrenpfleger« heißt es 1937 bezüglich medikamentöser Beruhigungsmittel: »Weiterhin zählen dazu die verschiedenartigen Schlafmittel, die teilweise auch zur Beruhigung gegeben werden oder, wie Luminal und Prominal, sich als anfallsbeschränkende Mittel wirksam erweisen«.

Erwachsene Personen durften als maximale Einzelgabe 0,4 Gramm und als maximale Tagesgabe 0,8 Gramm Luminal erhalten. Kinder durften, je nach Alter, nur zwischen 0,015 – 0,2 Gramm erhalten.

Luminal und weitere Barbiturate wurden den Kindern und Jugendlichen in den »Kinderfachabteilungen« der Anstalten über längere Zeit verabreicht, um eine flache Atmung und dadurch Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündungen zu provozieren. Oftmals sind die Kinder eines langwierigen Erstickungstodes gestorben.

Reichte dies nicht aus, um den Tod der Kinder und Jugendlichen zu erwirken, wurden ihnen weitere Dosen verabreicht oder zur Einleitung des Todes zusätzlich Morphin gegeben. Auch ließ man an kalten Tagen die Kinder unbekleidet und öffnete die Zimmerfenster, um Atemwegsinfektionen zu beschleunigen. In vielen Krankenakten ist als offizielle Todesursache »katarrh. Lungenentzündung« angegeben, die Medikamentengabe wurde hingegen in der Regel nicht vermerkt. Neben Lungenentzündung und Bronchitis tauchen auch Tuberkulose und Diphterie als angeblicher Sterbegrund auf.

Luminal / Luminaletten mit dem Wirkstoff Phenobarbital sind bis heute gängige Medikamente zur medizinischen Behandlung von Epilepsie. Der Pharmakonzern Bayer gab 1990 die Herstellungsrechte an den amerikanischen Konzern Desitin ab.

Fläschchen zur Aufbewahrung von Luminaltabletten.

ArEGL, Henning Bendler.