Trional

Trional ist ein Medikament.
Das gibt es schon sehr lange.
Schon 130 Jahre.

Trional ist ein Schlaf-Mittel.
Es hilft besser zu schlafen.
Aber man darf nicht zu viel nehmen.
Das ist gefährlich.
Da kann man krank werden.
Und sogar sterben.

Mit dem Medikament werden Kinder ermordet.
Im National-Sozialismus.
Kinder in Anstalten.
Das sind besondere Krankenhäuser.
Kranke Kinder.
Kinder die nicht laufen können.
Oder nicht sprechen.

Die Ärzte sagen:
Dieses Kind ist krank.
Dieses Kind ist dumm.
Darum muss es sterben.

Die Ärzte geben den Kindern das Medikament.
Aber zu viel davon.
Die Kinder bekommen eine Lungen-Entzündung.
Sie sterben.
Manche Kinder über-leben.
Dann bekommen sie das Medikament noch einmal.
Bis sie sterben.
Das ist Mord mit dem Medikament Trional.

In Lüneburg gibt es den Mord mit Trional vielleicht auch.
Dazu wird geforscht.

Veronal

Veronal ist ein Medikament.
Das gibt es schon sehr lange.
Schon seit 120 Jahren.

Das Medikament ist sehr beliebt.
Es hilft beim Ein-Schlafen.
Viele Menschen nehmen das.
Man darf aber nicht zu viel nehmen.
Das ist gefährlich.
Da wird man krank.
Oder stirbt.

Viele Menschen nehmen trotzdem zu viel davon.
Sie haben viele Neben-Wirkungen.
Einige Menschen sind süchtig.
Sie können nicht auf-hören das Medikament zu nehmen.
Viele Menschen sterben.
Sie haben zu viel Veronal genommen.

Deswegen kann man es nur in der Apotheke kaufen.
Ein Arzt muss ein Rezept schreiben.
Nur dann darf man es kaufen.

Mit dem Medikament werden Kinder ermordet.
Im National-Sozialismus.
In Kinder-Fach-Abteilungen.
In Anstalten.

Da gibt es Kinder die seelisch krank sind.
Kinder mit Behinderungen.
Kinder die nicht laufen können.
Oder nicht sprechen.

Die Ärzte sagen:
Dieses Kind ist krank.
Dieses Kind ist dumm.
Darum muss es sterben.

Sie geben ihnen das Medikament.
Aber zu viel davon.
Die Kinder sterben daran.
Das ist Mord mit dem Medikament Veronal.

Die Ärzte schreiben das nicht in die Kranken-Akte.
Sie schreiben einen falschen Grund rein.
Wieso das Kind gestorben ist.
Sie lügen.
Sie verheimlichen das Medikament.
Keiner merkt das.
Es fällt nicht auf.
Darum wird kein Arzt bestraft.

Kinder-Fach-Abteilung Lüne-Burg

Die Kinder-Fach-Abteilung ist eine Kinder-Station.
Sie ist einem besonderen Kranken-Haus.
Dort werden Kinder mit Behinderungen untersucht und behandelt.
Und Kinder die sich anders verhalten.

Die Kinder-Fach-Abteilung Lüne-Burg gibt es ab 1941.
In der Zeit des National-Sozialismus.
Die Ärzte sind Max Bräuner und Willi Baumert.
Max Bräuner ist Direktor des Kranken-Hauses.
Willi Baumert ist der Arzt auf der Kinder-Station.
Die Kinder-Fach-Abteilung ist groß.
Sie ist in 3 Häusern unter-gebracht.
In Haus 23, 24 und 25.
21 Pflegerinnen passen auf die Kinder auf.

Am Anfang kommen 138 Kinder aus einem Heim in Roten-Burg.
Das ist eine Stadt in Nieder-Sachsen.
Sie werden Patienten in der Kinder-Fach-Abteilung.
Sie werden untersucht und beobachtet.
Der Arzt Willi Baumert entscheidet:
Dieses Kind darf leben.
Denn es ist schlau.
Es darf auf eine Schule für Kinder mit Behinderungen gehen.
Oder Willi Baumert entscheidet:
Dieses Kind muss sterben.
Denn es ist dumm.
Es gibt keine Entwicklung.

Bei dieser Entscheidung helfen 3 Ärzte.
Sie sind nicht in Lüne-Burg.
Sie sind in Berlin.
Sie nennen sich »Reichs-Aus-Schuss«.
Sie lernen die Kinder gar nicht kennen.
Die Ärzte gucken sich nur Berichte an.
Trotzdem entscheiden sie über das Leben und den Tod der Kinder.

Willi Baumert entscheidet oft:
Dieses Kind muss sterben.
Von den Kindern aus Roten-Burg sterben fast alle.
Bis auf 9 Jungen und 7 Mädchen.

737 Kinder kommen insgesamt in die Kinder-Fach-Abteilung.
Mehr als 425 werden ermordet.

Die Pflegerinnen machen mit.
Sie geben den Kindern ein Medikament.
Die Kinder bekommen zu viel von dem Medikament.
Das ist tödlich.
Sie werden krank und sterben.

Oft bekommen die Kinder auch zu wenig essen.
Dann verhungern die Kinder.
Manchmal macht der Arzt Versuche mit den Kindern.
Er gibt ihnen nicht erlaubte Medikamente.
Die Kinder sind Opfer vom Patienten-Mord.

Nach dem Mord nehmen die Ärzte das Gehirn aus dem Kinder-Kopf.
Sie unter-suchen es.
Sie wollen wissen:
Warum hat das Kind eine Behinderung.
Sie wollen wissen:
Wie sieht das Gehirn aus.

Hier kommen die Kinder-Opfer her:
Nieder-Sachsen.
Hamburg.
Bremen.
Bremer-Haven.
Nord-Rhein-West-Falen.

Es gibt auch Kinder aus Belgien und den Nieder-Landen.
Das sind Nachbar-Länder von Deutsch-Land.

Über 300 Kinder werden in Lüne-Burg beerdigt.
Auf dem Fried-Hof des besonderen Kranken-Hauses.
4 Gräber sind noch da.
1 Kinder-Grab ist auf einem anderen Fried-Hof in Lüne-Burg.
Es ist auch noch da.

Im April 1945 ist der Krieg in Lüne-Burg aus.
Der National-Sozialismus ist zu Ende.
Aber die Kinder-Fach-Abteilung gibt es weiter.
Im August 1945 nehmen sie noch ein Kind auf.

Im Herbst 1945 sterben immer noch Kinder.

Kinder-Fach-Abteilung Waldniel und Gedenk-Ort

Waldniel ist ein Ort in Nord-Rhein-West-Falen.
Das ist ein Bundes-Land in der Mitte Deutsch-Lands.

Dort gibt es ein besonderes Kranken-Haus.
Im National-Sozialismus gibt es dort eine Kinder-Fach-Abteilung.
Das ist eine Abteilung nur für Kinder und Jugendliche.
In Waldniel werden 99 Kinder ermordet.
Das ist in den Jahren 1941 bis 1943.

Der erste Arzt ist Doktor Renno.
Er weiß wie man Kinder und Jugendliche ermordet.
Das hat er vorher geübt.
Vorher ermordet er über 18.000 Menschen mit Behinderungen mit Gas.
In der Tötungs-Anstalt Hart-Heim.
Und er übt das Morden mit Medikamenten in Leipzig.
Das ist eine Stadt in Ost-Deutsch-Land.

Dann wird er Leiter der Kinder-Fach-Abteilung in Waldniel.
Dort entscheidet er:
Dieses Kind ist dumm.
Es darf ermordet werden.

Aber das macht er nicht lange.
Er wird krank.
Er bekommt Tuberkulose.
Das ist eine Lungen-Krankheit.

Frau Doktor Wesse übernimmt seine Arbeit.
Aber sie kann das nicht richtig.
Sie hat einen Ehe-Mann.
Der ist auch Arzt.
Der wird neuer Leiter der Kinder-Fach-Abteilung.
Er lernt das Ermorden von Kindern in anderen Anstalten.

Als er es gelernt hat
kommt er zurück nach Waldniel.
Dort ermordet er über 75 Kinder und Jugendliche.
Das macht er bis in das Jahr 1943.

Im Sommer im Jahr 1943 ist Schluss.
Das besondere Kranken-Haus in Waldniel wird gebraucht.
Als Ersatz-Kranken-Haus.
Viele andere Kranken-Häuser sind durch den Krieg kaputt.
Deswegen braucht man Waldniel.
Die Kinder-Fach-Abteilung wird geschlossen.

183 Kinder und Jugendliche kommen wo-anders hin.
Sie kommen in andere Kinder-Fach-Abteilungen.
38 Kinder und Jugendliche kommen nach Lüne-Burg.
In die Kinder-Fach-Abteilung Lüne-Burg.

25 von ihnen werden in Lüne-Burg ermordet.
Nur ein einziges Kind wird entlassen.
Ein zweites Kind kommt nach Lemgo.
Das ist eine Stadt in Nord-Rhein-West-Falen.
Da gibt es eine Hilfs-Schule.
Da kann es zur Schule gehen.

Im Jahr 1962 beginnen Menschen zu fragen:
Was ist in Waldniel passiert?
20 Jahre später gibt es Antworten.
Im Jahr 1982 ist der Mord an den Kindern kein Geheimnis mehr.
Es wird eine Gedenk-Tafel auf-gehängt.
Auf dem Fried-Hof in Waldniel.
Darauf steht:
Hier wurden viele Menschen mit Behinderungen ermordet.
Auch Kinder und Jugendliche.

Das reicht den Menschen die da wohnen nicht.
Sie wollen einen Gedenk-Ort.
1988 ist der Gedenk-Ort fertig.
Es ist ein Fried-Hof.
Mit Gedenk-Steinen.
Darauf steht:
Hier wurden Menschen ermordet.
Das ist den Menschen immer noch nicht genug.
Sie wollen auch die Namen zeigen.
Im Jahr 2018 ist der neue Gedenk-Ort fertig.
Er ist auf dem gleichen Fried-Hof.
Jetzt kann man die Namen der Opfer lesen.

Rotenburger Anstalt

Die Roten-Burger Anstalt ist ein Heim.
Dort leben Menschen mit Behinderungen.
Sie heißen Bewohner.
Die Roten-Burger Anstalt gehört zur Kirche.
Es ist eine christliche Anstalt.
Es gibt sie seit dem Jahr 1880.
Das sind fast 150 Jahre.

Im National-Sozialismus ist Pastor Buhrfeind der Leiter.
Und es gibt den Arzt Kurt Magunna.
Beide sollen gut zu Menschen mit Behinderungen sein.
Aber sie sind es nicht.

Pastor Buhrfeind sagt:
Diese Bewohner bei uns müssen un-frucht-bar gemacht werden.
Sie dürfen keine Kinder bekommen.
Der Arzt Magunna sagt das auch.
Und er sagt:
562 Bewohner müssen sterben.
Sie kommen in eine Tötungs-Anstalt.
Dort werden sie mit Gas ermordet.

In der Anstalt gibt es auch viele Kinder und Jugendliche.
Im Jahr 1938 und danach geht es ihnen schlecht.
Sie bekommen nicht genug zu essen.
Und niemand kümmert sich um sie.

Im Jahr 1941 wird die Anstalt zu gemacht.
Sie wird gebraucht für verletzte Soldaten.
Und für Bomben-Opfer.
Alle Bewohner müssen in andere Heime.
Oder in andere Kranken-Häuser.

138 Kinder und Jugendliche kommen nach Lüne-Burg.
In die Kinder-Fach-Abteilung.
Das ist am 9. und am 10. Oktober 1941.
Nur 9 Jungen und 7 Mädchen über-leben.
Alle anderen werden in Lüne-Burg ermordet.

Der Pastor und der Arzt wissen das.
Es ist ihnen egal.

Dann endet der National-Sozialismus.
Menschen mit Behinderungen kehren in die Roten-Burger Anstalt zurück.
Die den National-Sozialismus über-lebt haben.
Die nicht ermordet wurden.
Aber man behandelt sie immer noch nicht gut.
Es gibt viel Gewalt in der Roten-Burger Anstalt
1990 sagen viele:
So geht das nicht mehr.
Die Gewalt muss auf-hören.
Außerdem wollen wir wissen:
Was ist im National-Sozialismus wirklich passiert?

Wissenschaftler erforschen die Geschichte der Anstalt.
Sie entdecken die Wahrheit über die Verbrechen.
Sie stellen fest:
Wie viele Menschen aus den Anstalten wurden ermordet?.
Wie viele wurden un-frucht-bar gemacht?
Und wie viel Gewalt hat es gegeben?
Bis in das Jahr 2000.
Die Anstalt sagt heute:
Gut dass wir unsere Geschichte kennen.
Und darüber sprechen.
Das soll nie wieder passieren.