Georg Marienberg

Georg ist der Cousin von Thea Marienberg.
Ihm geht es wie Thea.
Und wie seinem Bruder Karl.
Und wie seiner Halb-Schwester Emmi.
Sie werden alle sterilisiert.
Gegen den Willen.

Georg ist im Jahr 1910 in Lüne-Burg geboren.
Er geht auf eine Förder-Schule.
Danach ist er Arbeiter.
In einem Kohle-Geschäft.
Zusammen mit seinem Bruder Karl.

Georg wird im Juni 1938 angezeigt.
Beim Erb-Gesundheits-Gericht Lüne-Burg.
Das passiert weil sein Bruder auch gemeldet wird.
Weil er versucht zu heiraten.

Das Gericht entscheidet:
Georg soll keine Kinder bekommen.
Weil er dumm ist.
Und weil seine Familie Gegner der National-Sozialisten ist.
Georg soll zwangs-sterilisiert werden.
Er soll un-frucht-bar gemacht werden.
8 Wochen nach seinem Bruder wird Georg operiert.

2 Jahre später will Georg heiraten.
Das Gesundheits-Amt sagt: Nein.
Georg beschwert sich.
Er darf dann doch heiraten.
Aber er kann keine Kinder mehr bekommen.

1951 ist der Krieg 6 Jahre vorbei.
Die Nazis bestimmen nicht mehr.
Georg geht vor Gericht.
Er möchte Schmerzens-Geld.
Und eine Entschuldigung.
Er möchte sein Recht.

Aber das bekommt er nicht.
Es gibt eine Gerichts-Verhandlung.
Der Richter ist Dr. Jahn.
Der war auch schon Richter bei den National-Sozialisten.
Er war auch Richter am Erb-Gesundheits-Gericht Lüne-Burg.

Ein Arzt macht eine Aussage.
Der Arzt ist beim Gesundheits-Amt.
Das war er auch schon bei den National-Sozialisten.
Der Richter und der Arzt sagen:
Das Urteil gegen Georg war richtig.
Die Sterilisation war richtig.

Georg Marienberg bekommt sein Recht nicht.
Er bekommt kein Geld.
Und keine Entschuldigung.
Georg stirbt am 7. April 1979.
Er hat nie Kinder.

Das ist ein Foto von Georg Marienberg.

Das Foto ist aus einer Akte.

Das Gesundheits-Amt hat eine Akte gemacht.

Und alles über Georg darin gesammelt.

Wie alt er ist.

Wer seine Eltern sind.

Wieso er un-frucht-bar gemacht werden soll.

Das ist eine Bescheinigung.

Es ist ein Dokument über Georg Marienberg.

Es ist ein Dokument vom Gesundheits-Amt.

Serafina Sieluzycka

Serafina Sieluzycka ist im Jahr 1905 geboren.
Sie kommt als Zwangs-Arbeiterin nach Deutschland.
Sie muss in der Land-Wirtschaft arbeiten.
Zusammen mit ihrem Mann Theodor.

Im Juli 1943 geht es Serafina schlecht.
Sie will zurück in ihre Heimat.
Ein Arzt untersucht sie.
Der Arzt sagt:
Serafina ist geistes-krank.

Im Juli 1943 kommt Serafina in die Lüneburger Anstalt.
Das ist ein besonderes Kranken-Haus.
Ihr Mann Theodor und ein Polizist bringen sie.
Aber keiner fragt Theodor:
Wo kommt ihr her?
Was ist passiert?

Serafina ist sehr dünn.
Sie ist auch sehr auf-geregt.
Und traurig.

Im November geht es ihr noch schlechter.
Sie bekommt keine Hilfe.
Sie bekommt auch keine Nahrung.
Auch nicht über einen Schlauch.

Im Januar 1944 stirbt Serafina in der Anstalt.
Weil kein Arzt ihr hilft.
Sie verhungert.
Sie ist erst 38 Jahre alt.

Frieda Pogoda

Frieda Pogoda ist im Jahr 1883 in Stade geboren.
Ihre Eltern sind Friedrich und Mathilde Kempin.
Sie leben in Stade.
Das ist eine Stadt im Süden von Hamburg.
Der Vater hat eine Glaserei.
In der Flut-Straße.

Dort lernt Frieda ihren Ehe-Mann kennen.
Das ist Eugen Pogoda.
Er ist Schneider-Meister.
Seine Schneiderei ist auch in der Flut-Straße.
Sie heiraten im Jahr 1907 und bekommen 4 Kinder.
Ein Mädchen und 3 Jungen.

Das Mädchen stirbt mit 4 Monaten.
Frieda wird im Jahr 1934 krank.
Da ist ihr jüngstes Kind 10 Monate alt.

Sie kommt in ein besonderes Kranken-Haus.
In die Anstalt nach Lüne-Burg.
Nach 5 Monaten ist sie wieder gesund.
4 Monate später ist sie wieder krank.
Sie ist 10 Monate Patientin.
Dann ist sie wieder gesund.
14 Jahre lang.
Das ist eine lange Zeit.

Im Jahr 1927 erkrankt ihr Ehe-Mann.
Er wird auch Patient in der Anstalt in Lüne-Burg.
Er stirbt an Gehirn-Erweichung.
Da entwickelt sich das Gehirn zurück.

Frieda wird viele Jahre später wieder krank.
Das ist im Jahr 1934.
Erst ist sie Patientin im Kranken-Haus in Stade.
Da will sie nicht bleiben.
Sie steigt aus dem Fenster.
Sie kann gefunden werden.
Und wird nach Lüne-Burg in die Anstalt gebracht.

Im April 1941 wird sie verlegt.
In die Tötungs-Anstalt nach Hadamar.
Dort wird sie am 16. Juni 1941 ermordet.
Sie wird vergast.
Sie wird Opfer vom Patienten-Mord.
Da ist sie 57 Jahre alt.

Für Frieda wurde ein Stolper-Stein verlegt.
Er liegt da wo ihre Schneiderei war.
In der Flut-Straße in Stade.

Das ist eine Post-Karte.

Darauf sieht man den Laden von Friedas Mann.

Er war Schneider und hat Kleidung gemacht.

In der Tür stehen Frieda und ihr Mann.

Sie haben ihren Sohn Franz auf dem Arm.

Die Postkarte ist schon sehr alt.

Sie ist von 1909.

Das ist mehr als hundert Jahre her.

Das ist ein Stolper-Stein für Frieda.

Er wurde in der Flut-Straße in Stade verlegt.

Dort wo Frieda und ihre Familie gewohnt haben.

Der Stein soll an Frieda erinnern.

Irmgard Ruschenbusch

Irmgard Ruschenbusch ist im Jahr 1896 in Hermanns-Burg geboren.
Das ist ein Ort in der Nähe von Celle.
Ihre Eltern sind Bertha und Ernst Ruschenbusch.
Ihr Vater ist Land-Arzt.
Ihre Mutter ist sehr christlich.
In der Familie von der Mutter gibt es viele Kirchen-Menschen.

Irmgard ist das erste Kind.
Sie hat eine jüngere Schwester Elsa.
Elsa und Irmgard haben eine schöne Kindheit.
Bis der Vater stirbt.
Er stirbt an Krebs.
Da ist Irmgard 14 Jahre alt

Irmgard geht nach Hamburg.
Da lernt sie Erzieherin.
Dann wird sie krank.
Sie muss auf-hören.
Sie erkrankt an Realitäts-Verlust.

Sie geht zurück nach Hermanns-Burg.
Zu ihrer Mutter.
Aber es wird nicht besser.
Deswegen muss sie in die Anstalt.
Das ist ein besonderes Kranken-Haus.
Sie wird Patientin in Lüne-Burg.

Sie wird wieder gesund.
Sie darf wieder nach Hause.
5 Jahre bleibt sie gesund.
Dann kommt der Realitäts-Verlust zurück.

Sie muss ein zweites Mal in die Anstalt.
Diesmal bleibt sie.

Ihre Mutter und ihre Schwester Elsa besuchen Irmgard.
Sie schicken Briefe.
Und Pakete.
15 Jahre lang.

Dann zieht ihre Schwester um.
Der Weg nach Lüne-Burg wird zu weit.
Die Mutter schafft es auch nicht alleine.
Darum hört der Besuch auf.

1 Jahr bekommt sie keinen Besuch.
Dann wird Irmgard verlegt.
In die Tötungs-Anstalt.
Sie wird vergast.
Sie wird ein Opfer vom Patienten-Mord.
Das ist im Jahr 1941.

Ihre Mutter schickt ihr ein Paket hinter-her.
Sie bekommt keine Antwort von Irmgard.
Da weiß die Mutter:
Irmgard ist ermordet worden.

Dann kommt ein Brief.
Darin steht:
Irmgard ist an einer Lungen-Entzündung gestorben.
Das ist eine Lüge.
Das weiß die Mutter.

Sie spricht mit der Kirche.
Irmgard bekommt eine Beerdigung.
Das ist der Mutter wichtig.
Die Familie will sich von Irmgard verabschieden.

Im Jahr 2011 bekommt Irmgard einen Stolper-Stein.
Er liegt in Hermanns-Burg.
Die Familie fährt 2 Mal im Jahr hin.
Dann putzen sie den Stein.
Und stellen eine Kerze auf.
Irmgard soll nicht vergessen werden.

Auf dem Bild ist Irmgard mit ihrer Schwester Elsa.

Beide tragen ein Kleid.

Irmgard ist das größere Mädchen.

Das Foto ist schon sehr alt.

Es ist schon über 120 Jahre alt.

Auf dem Foto ist die Familie von Irmgard.

Ihre Mutter und ihr Vater und ihre Schwester.

Irmgard ist in der Mitte zu sehen.

Alle tragen schöne Kleidung.

Das ist ein Foto von Irmgard.

Darauf ist sie eine junge Frau.

Das ist ein Stolper-Stein für Irmgard.

Der Stein soll immer an sie erinnern.

Zizlaw Rudzki

Zizlaw Rudzki ist im Jahr 1923 in Polen geboren.
1940 kommt er nach Deutschland.
Er ist erst 17 Jahre alt.
Drei Jahre lang arbeitet Zizlaw als Zwangs-Arbeiter.

Fast 3 Jahre lang kann er gut arbeiten.
Dann geht es ihm nicht mehr gut.
Er wird traurig.
Er sagt:
Ich kann nicht mehr arbeiten.

Zizlaw wird untersucht.
Ein Arzt sagt:
Zizlaw ist geistes-krank.
Im September 1943 kommt Zizlaw in die Anstalt Oldenburg.
Das ist ein besonderes Kranken-Haus.
Es geht ihm schlecht.
Er will nicht mehr sprechen.
Er wird immer schwächer.

Im Dezember 1944 kommt Zizlaw in die Anstalt nach Lüneburg.
Erst Anfang Januar wird er dort untersucht.

Zizlaw geht es sehr schlecht.
Er ist sehr schwach.
Er spricht nicht mehr.
Am 25. März 1945 stirbt Zizlaw in der Anstalt.
Er ist erst 21 Jahre alt.

Wladimir Batutow

Wladimir Batutow ist im Jahr 1925 in der Ukraine geboren.
Die deutschen Soldaten bringen ihn im 2. Welt-Krieg nach Deutschland.
Hier muss er arbeiten.
Er ist Zwangs-Arbeiter.
Bei der Arbeit verletzt er sich schwer.
An der Hand und am Arm.
Er kommt in ein Kranken-Haus in Aurich.

Im Kranken-Haus ist er sehr auf-geregt.
Er zerstört sein Kranken-Zimmer.
Darum kommt ein Amt-Arzt.
Der untersucht ihn.
Das ist im Dezember 1944.
Der Arzt sagt:
Wladimir muss in eine Anstalt.
Das ist ein besonderes Kranken-Haus.

Wladimir kommt in die Lüneburger Anstalt.
Dort ist er nicht aufgeregt.
Er ist ruhig.
Er wirkt gesund.
Er sagt:
Ich möchte gerne in einer Werk-Statt arbeiten.

Im Januar 1945 schreibt der Arzt in der Anstalt:
Wladimir kann nicht arbeiten.
Er ist zu schwach.
Im März geht es Wladimir noch schlechter.

Am 22. März 1945 stirbt Wladimir in der Anstalt.
Er ist erst 20 Jahre alt.
Wladimir ist in der Anstalt verhungert.