Robert Salau (S)

Die in das Konzentrationslager Neuengamme verlegten Erkrankten kannten sich gut. Robert Salaus Schwester war mit Willi Demmer befreundet. Dies geht aus einem Brief hervor. Ihr Bruder Robert war nach vielen kleinen Verbrechen, zuletzt wegen sechs Dosen gestohlenen Herings, in die Lüneburger Sicherungsverwahrung gekommen. Die Wege von Salau und Demmer trennen sich in Neuengamme, da Salau ins Außenlager Hannover-Stöcken kam und dort im März 1945 starb.

Robert Salau stammte aus Lüneburg und hatte 22 Geschwister. Er ging nach Wesermünde (Bremerhaven), um dort in der Fischerei zu arbeiten und heuerte auf verschiedenen Schiffen an. Wenn er nicht als Fanghelfer gebraucht wurde, verdiente er Geld in der Fischindustrie. Mal stahl er eine Hose, mal Fisch. Schließlich ordnete ein Gericht seine Sicherungsverwahrung an. 1937 wurde er zwangssterilisiert. Durch die Entlassung ins Konzentrationslager Neuengamme kam er ins Außenlager Hannover-Stöcken. Dort musste er in der Akkumulatoren-Fabrik Zwangsarbeit leisten. Er wurde erschossen und als französischer Kriegsgefangener »Robert Salan« am Maschsee bestattet.

Brief von Mariechen Salau an Willi Demmer vom 25.3.1944.
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 03095.

Franciszek Wajsen (LS)

Franciszek Wajsen kommt aus Hrubieszów in Polen.
Er hat einen älteren Bruder und 3 jüngere Brüder.
Sein älterer Bruder überlebt den Krieg.
Er arbeitet als Übersetzer in Frankreich.
als Übersetzer in Frankreich.
Ein jüngerer Bruder verschwindet plötzlich.
Die Familie denkt:
Er ist erschossen worden.

Die Brüder Kazimierz und Franciszek Wajsen sind
Zwangs-Arbeiter.
Das ist im Mai 1942.
Die Nazis bringen die beiden nach Hamburg.
Franciszek versucht wegzulaufen.
Kazimierz geht heimlich zu einer Versammlung.
Die Nazis bestrafen die beiden dafür.
Sie kommen
in 2 verschiedene Arbeits-Erziehungs-Lager.
Sie müssen Zwangs-Arbeit machen.

Dann kommt Kazimierz ins KZ Neuengamme.
Er überlebt und wird im Mai 1945 befreit. Franciszek Wajsen schafft die Zwangs-Arbeit nicht.
Er wird krank.
Er kommt in das Universitäts-Klinikum
in Hamburg-Eppendorf.
Aber er wird nicht gesund.
Der Arzt sagt:
Franciszek ist zu krank zum Arbeiten.
Darum soll er zurück nach Polen.
Das schreibt der Arzt in diesem Brief
an das Arbeits-Amt in Hamburg.
Das Arbeits-Amt ist einverstanden.

Aber Franciszek kommt nicht nach Hause.
Es wird kein Zwangs-Arbeiter mehr nach Hause geschickt.
Das wird 1942 entschieden.

Das ist ein Ausweis-Dokument von Franciszek Wajsen
aus dem Jahr 1945.
Kazimierz Wajsen (2. v. l.?) mit Kameraden aus der Zwangsarbeit, vor April 1944, Hamburg.
Privatbesitz Magda Wajsen.
Brief von Hans Follstich an das Arbeitsamt Hamburg vom 4.12.1942.
Arolsen Archives.
Haftliste polnischer Zwangsarbeiter, die aus dem Gerichtsgefängnis Cuxhaven anderen Haftorten überstellt wurden, 1944.
Arolsen Archives.

Franciszek Jozef Wajsen (S)

Franciszek Wajsen stammte aus Hrubieszów in Polen. Er war Sohn des Handwerkers Józef Wajsen und dessen Ehefrau Katarzyna (geborene Hunkiewicz). Józef war deutsch-jüdischer Herkunft. Franciszek hatte vier Brüder: Mieczysław, Jan, Kazimierz und Stanisław. Er war der Zweitälteste. Mieczysław ging als »Volkdeutscher« nach Schlesien, er überlebte als Übersetzer in Frankreich. Der jüngere Bruder Jan verschwand von einem Tag auf den anderen. Die Familie geht davon aus, dass er erschossen wurde.


Im Mai 1942 wurden die Brüder Kazimierz und Franciszek Wajsen zur Zwangsarbeit nach Hamburg verschleppt. Sie kamen in zwei verschiedene »Arbeitserziehungslager«, Franciszek wegen eines Fluchtversuchs, sein Bruder Kazimierz wegen »illegaler Versammlungen«. Kazimierz überlebte das Konzentrationslager Neuengamme und wurde im Mai 1945 auf dem Schiff »Athen« befreit.


Franciszek Wajsen hielt den Belastungen der Zwangsarbeit nicht stand. Er wurde von der Gestapo aufgegriffen und am 2. September 1942 in die Psychiatrie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf eingewiesen. Weil er als »arbeitsunfähig« eingestuft wurde und der Betrieb ihn nicht zurückhaben wollte, genehmigte das Arbeitsamt die vom Arzt angeratene Rückkehr nach Hause. Doch er kehrte nicht zurück.

Im Dezember 1943 arbeitete Franciszek in Greversdorf-Oste bei einem Bauern. Im März 1944 wurde er wegen Fluchtgefahr aus dem Gerichtsgefängnis Cuxhaven in die Gestapohaft im »Arbeitserziehungslager« Bremen-Farge entlassen. Von dort wurde er am 26. Juni 1944 in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg verlegt. Franciszeks Mutter Katarzyna Wajsen flüchtete mit Stanisław nach Warschau. Sie ließ ihren Ehemann zurück. Józef soll danach nach Deutschland gegangen sein.

Identitätsnachweis von Franciszek Wajsen, nach 1945.
Arolsen Archives.
Kazimierz Wajsen (2. v. l.?) mit Kameraden aus der Zwangsarbeit, vor April 1944, Hamburg.
Privatbesitz Magda Wajsen.
Brief von Hans Follstich an das Arbeitsamt Hamburg vom 4.12.1942. Arolsen Archives.
Haftliste polnischer Zwangsarbeiter, die aus dem Gerichtsgefängnis Cuxhaven anderen Haftorten überstellt wurden, 1944.
Arolsen Archives.

Gustav Marx (1909 – 1973)

Gustav Marx ist Arzt in der Anstalt in Lüneburg.
An Wochenenden arbeitet er
in der Kinder-Fachabteilung.
Darum weiß er vom Kranken-Mord.
Er ist Lungen-Arzt.
Er kennt sich mit Lungen-Krankheiten aus.
Viele seelisch Kranke werden
bei ihm lungenkrank.
Heute ist man nicht sicher:
Ist das seine Schuld?
Hat er die Kranken mit Absicht krank gemacht?

Im Jahr 1944 wird Gustav Marx Leiter
von der Ausländer-Sammelstelle für Frauen.
In der Ausländer-Sammelstelle sind
viele Zwangs-Arbeiterinnen.
Die Nazis zwingen diese Frauen zu arbeiten.

Gustav Marx lässt sich vieles
ins Deutsche übersetzen.
So weiß er, was die Zwangs-Arbeiterinnen sagen.
Und er kann sie richtig behandeln.
Er gibt ihnen genug zu essen und zu trinken.
Darum sterben viel weniger Frauen als Männer.

Im Jahr 1953 geht er in Rente.
Er stirbt im Jahr 1973.

Gustav Marx kommt aus Essen.

Im Jahr 1914 ist Gustav Marx Arzt im Ersten Weltkrieg.
Im Jahr 1916 heiratet Gustav Marx.
Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitet er
in einer Arzt-Praxis.
Dann wird er Arzt bei der Stadt in Wengern und in Herford.

Gustav Marx ist ein Nazi.
Im Jahr 1933 wird er Mitglied
in der Nazi-Partei.
Er wird auch Mitglied
in 10 anderen Nazi-Vereinen.
Er muss nicht als Soldat
in den Zweiten Weltkrieg.

Gustav Marx weiß von den Verbrechen
in der Nazi-Zeit.
Er weiß,
welche Ärzte mitmachen bei den Verbrechen.
Aber er behält es für sich.
Er verrät keinen Arzt.
Und er macht auch nichts
gegen die Verbrechen.

„Das ist eine Urkunde
mit der Unterschrift von Adolf Hitler.
Die Urkunde ist für Gustav Marx.
Er hat im Ersten Weltkrieg gut gekämpft.
Darum bekommt er diese Urkunde und
einen Orden von den Nazis.

Gustav Marx hat die Urkunde
am 30. Januar 1943 bekommen.
Da haben die Nazis seit 10 Jahren die Macht
in Deutschland.“

MTV-Halle – Der Ort vom Bergen-Belsen-Prozess

Im Zweiten Welt-Krieg gibt es viele Verbrechen.
Es werden Menschen ermordet.
Im Konzentrations-Lager.
Bergen-Belsen ist so ein Lager.
Da werden Juden ermordet.
Da werden Kriegs-Gefangene ermordet.
Da werden Gegner der Nazis ermordet.
Insgesamt werden 100.000 Menschen schlecht behandelt.
Über 70.000 werden in Bergen-Belsen ermordet.

Dann ist der Krieg aus.
Das Lager Bergen-Belsen wird befreit.
Von britischen Soldaten.
Die Täter werden verhaftet.
Sie sollen bestraft werden.

Darum gibt es ein Gerichts-Verfahren.
Er fängt 5 Monate nach Kriegs-Ende an.
Er geht nur 2 Monate.

Die ganze Welt will wissen:

• Was ist in Bergen-Belsen passiert.
• Was haben die Nazis gemacht.

Das Gericht in Lüneburg ist zu klein.
Da passen nicht alle rein.
Darum nimmt man die Halle.
Vom Lüneburger Männer-Turn-Verein.

Es gibt 45 Angeklagte.
Auch der Lager-Leiter ist angeklagt.
30 werden bestraft.
11 bekommen die Todes-Strafe.
Viele bekommen Haft-Strafen.

15 bekommen keine Strafe.

30 Jahre vergehen.
Die Halle wird abgerissen.
Das ist im Jahr 1976.
Viele Lüneburger sagen: Nein.

Aber die Stadt Lüneburg macht weiter.
Darum gibt es die Halle nicht mehr.
Sie ist 1880 gebaut worden.
Für Sport vom Männer-Turn-Verein.
Und für Schulen.

Das Dragoner-Denkmal – Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus

Dragoner sind eine Gruppe Soldaten von früher.
Sie kämpfen gegen Franzosen.
In der Zeit von Napoleon.
Das ist in den Jahren 1813 bis 1815.
Und im Krieg gegen Frankreich.
Der ist in den Jahren 1870 und 1871.


In Afrika sind sie Teil der deutschen Herrscher.
In der Zeit der Kolonien.
Sie machen mit bei einem Völker-Mord.
Da werden 100.000 Menschen ermordet.
• 80.000 gehören zur Familie der Herero.
• 20.000 gehören zur Familie der Nama.
Heute heißt das Land Namibia.

Und die Soldaten kämpfen im 1. Welt-Krieg.
Dann ist der Krieg aus.
Die Deutschen verlieren den Krieg.
Die Dragoner-Gruppe löst sich auf.
Aber nur kurz.
Ein Jahr später gibt es sie wieder.
Und sie bekommen ein Denkmal.
Es ist ein trauriger Soldat aus Metall.
Auf einem Sockel.

In der Nazi-Zeit sollen Soldaten Helden sein.
Sie werden gefeiert.
Sie werden ge-ehrt.
Darum gibt es 1939 ein neues Denkmal.
Der traurige Soldat kommt weg.

Der neue Soldat sitzt auf einem Pferd.
Er hat eine Waffe.
Er zieht in den Kampf.
Die Namen der toten Soldaten sind drauf-geschrieben.
Auch die Namen der Mörder aus Namibia.
Das neue Denkmal wird ein Treff-Punkt.
Für Nazis.

2012 ist das Denkmal alt und kaputt.
Es gibt einen Verein.
Er sammelt Geld.
Für das Heil-machen vom Denkmal.
Die Stadt Lüneburg gibt auch Geld dazu.
Im Jahr 2013 wird es wieder auf-gestellt.
Viele Lüneburger finden das nicht gut.
Weil es ein Nazi-Denkmal ist.

Gustav Marx (1909 – 1973)

Gustav Marx betreute die Kinder und Jugendlichen in der Lüneburger »Kinderfachabteilung« an Wochenenden und bescheinigte zahlreiche gewaltsame Tode. Seine Rolle als Tuberkulose-Facharzt ist noch ungeklärt. Belegt sind zahlreiche Fälle, in denen sich Erkrankte erst in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg tödlich mit Tuberkulose infizierten. 1944 leitete er die »Abteilung Ostarbeiterinnen«. Dort zog er oft eine Übersetzungshilfe hinzu und ordnete im Gegensatz zu seinen Kollegen lebensrettende Behandlungen an. 1953 wurde er pensioniert und starb 20 Jahre später.
„Marx stammte aus Essen. Sein Vater arbeitete für die Industriellen-Familie Krupp. 1914 schloss Marx sein Medizinstudium ab und arbeitete im Ersten Weltkrieg als Feldarzt. 1916 heiratete er die Kaufmannstochter Emilie Boeckling. Nach Kriegsende arbeitete er als niedergelassener Arzt und als Kreiskommunalarzt in Wengern und in Herford im Amt für Volksgesundheit. Am 1. Januar 1936 begann er in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg. 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und trat zehn verschiedenen Parteiorganisationen bei. Im Juni 1940 wurde er vom Kriegsdienst befreit. Gegenüber seinen mordenden Kollegen verhielt er sich loyal.

„Diese Urkunde trägt die Originalunterschrift von Adolf Hitler und Otto Meissner, Staatssekretär in der Präsidialkanzlei. Anlässlich des 10. Jahrestages der Machtübernahme am 30. Januar 1943 wurde Soldaten, die sich im Ersten Weltkrieg verdient gemacht hatten, das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse verliehen. Mit dieser Urkunde wurde auch Oberarzt Gustav Marx ausgezeichnet.

Das Dragoner- Denkmal – Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus

Das Denkmal zeigt einen „Dragoner in Feldgrau mit der Pickelhaube, der hoch zu Ross mit eingelegter Lanze, den Karabiner in der Gewehrtasche neben sich, als Meldereiter unterwegs ist.“ (Landeszeitung, 4. Juli 1988). Es wurde im Jahr 1939 vom Berliner Bildhauer Prof. Emil Cauer (1867-1946) geschaffen. Das Dragoner-Denkmal ersetzte das ehemalige Denkmal des Dragoner-Traditionsverbandes für die „gefallenen Kameraden des Dragoner Regiments Nr. 16 und der Reserve-Kavallerie-Abteilung Nr. 78“ am Schifferwall, das einen trauernden Soldaten zeigt.

Traditionsverbände bestanden aus ehemaligen Mitgliedern der Einheit und deren Angehörigen. Sie prägten die Gedenkkultur der damaligen Zeit entscheidend. Aus der Geschichte der Dragoner:

1813-1815

Aufstellung durch Oberstleutnant von Estorff-Veerßen in Lüneburg und Einsatz in den Napoleonischen Kriegen

Garnisonen in Lüneburg, Uelzen, Lüchow und Harburg (Königreich Hannover)

ab 1818

Garnisonen in Lüneburg, Uelzen, Lüchow und Harburg (Königreich Hannover)

ab 1866

Teilweise Übernahme in preußische Dienste als Dragoner-Regiment Nr. 16

1867

Als 2. Hannoversches Dragoner-Regiment Nr. 16 in Northeim und Einbeck stationiert

1870/71

Einsatz im deutsch-französischen Krieg, anschließend Verlegung nach Lüneburg

1904/05

Beteiligung am Völkermord an den Herero und Nama in Deutsch-Südwest-Afrika (Namibia)

1914

Einsatz im Ersten Weltkrieg

1919

Auflösung des Dragoner-Regiments

1920

Neuaufstellung als Reiter-Regiment 13 der Reichswehr 26

Postkarte vom Dragoner-Denkmal im Park am Schifferwall. Es war am 17.9.1922 eingeweiht worden.
Sammlung Hajo Boldt.

Mit zeitlich wachsendem Abstand zum Kriegsende 1918 wurden Kriegstote als „deutsche Helden“ gefeiert. In diesem Sinne errichtete man 1939 das neue Dragoner-„Ehrenmal“ im heutigen Clamart-Park. Die Stadt Lüneburg übernahm das Denkmal in ihre Obhut. Aus dem trauernden Soldaten wurde ein bewaffneter, was der NS-Ideologie besser entsprach. Die Einweihung des Denkmals am Pfingstsonntag, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, zelebrierten die Nationalsozialisten als propagandistischen Akt, um die Bevölkerung auf den Krieg einzustimmen. Es wurde zum zentralen „Ehrenmal“ Lüneburgs. Jährlich trafen sich dort die deutschlandweit organisierten Dragoner-Traditionsvereine zusammen mit der Sturmabteilung (SA), der Hitler-Jugend und weitere Kameradschaften des NS-Reichskriegerbundes, um der Kriegstoten zu gedenken. Das Hakenkreuz wurde auf der Dragoneruniform und der Fahne getragen.

Der Sockel trägt Namenstafeln von Lüneburger Kriegstoten aus beiden Weltkriegen sowie Namen von Dragonern, die 1904/05 im heutigen Namibia umkamen. Von den 1950er-Jahren bis zur Auflösung des Traditionsverbandes 1982 diente das Denkmal im Clamart-Park als Treffpunkt für die „alten Kameraden“ und für „ewig Gestrige“; seine politisierende Wirkung war und ist offenkundig.

2012 drohte das Denkmal umzustürzen. Aufgrund fehlender Mittel für eine Restaurierung sollte es im städtischen Bauhof eingelagert werden. Der 2012 gegründete „Verein der Freunde und Förderer des Denkmals Dragoner e.V.“ setzte sich für den Erhalt des Denkmals im Clamart-Park ein und sammelte Spenden in Höhe von 30.000 Euro. Der Rat der Hansestadt Lüneburg fasste daraufhin am 23. März 2012 den Beschluss, das Dragoner-Denkmal – neben weiteren Reiterdenkmalen – mit zusätzlichen öffentlichen Mitteln zu sanieren. Nach der Restaurierung in Berlin wurde es am 29. September 2013 hier wieder aufgestellt. In der Lüneburger Öffentlichkeit war und ist es weiterhin umstritten.

Einweihung des Dragoner-Denkmals, 28.5.1939.
Sammlung Hajo Boldt.

Familie Marienberg

»Mein Opa allerdings war Kommunist, und ebenfalls sein Bruder, dementsprechend ist die Familie aus politischen Gründen in Lüneburg von den Nazis verfolgt worden.«

Interview mit Uwe Marienberg, Neffe von Thea Marienberg.

FAMILIE MARIENBERG

Mehrere Mitglieder der Lüneburger Familie Marienberg wurden gegen ihren Willen sterilisiert. Weil einzelne Familienmitglieder
mit der kommunistischen Partei sympathisierten, wurde die gesamte
Familie erbbiologisch erfasst.

Thea Marienberg (geboren 1921) war die Tochter des Fuhrunternehmers Otto Marienberg und dessen Frau Alwine.
Für ihre Heirat 1939 benötigte sie ein »Ehetauglichkeitszeugnis«, das ihr wegen angeblichem »Schwachsinn« in der Familie verwehrt wurde. Stattdessen wurde ein Verfahren zur Unfruchtbarmachung eingeleitet. Obwohl die Familie alles unternahm und Beschwerde gegen die Zwangssterilisation einlegte, wurde Thea Marienberg im Dezember 1940 im Städtischen Krankenhaus Lüneburg operiert. Danach stimmte Amtsarzt Rohlfing einer Eheschließung zu.

Zwei Cousins und einer Halbcousine erging es ähnlich wie Thea Marienberg. Gegen Karl Marienberg wurde ein Sterilisationsverfahren eingeleitet, als er heiraten wollte. Er wurde am 18. November 1938 zwangssterilisiert.
Karls Bruder Georg Marienberg wurde am 26. Juni 1938 beim Erbgesundheitsgericht Lüneburg angezeigt und acht Wochen nach seinem Bruder operiert. Ihre Halbschwester Emmi Nielson wurde am 15. März 1943 ebenfalls gegen ihren Willen sterilisiert.

Therese Schubert

»Das Schicksal von Therese lag ganz viele Jahre wie ein dunkler Schatten über der Familie. Das war wirklich, ja etwas was nicht geklärt war, und eine dunkle Seite.«

Gespräch mit Ulrike Haus. Therese Schubert war ihre Groß-Mutter.

Therese Schubert kommt aus Lüneburg.
Sie hat 2 ältere Schwestern.
1913/1914 geht sie in die USA.
Nach Somerset in Pennsylvania.
Danach wird sie Kinder-Gärtnerin.
In Hamburg.
1920 heiratet sie Heinrich Schubert.
Er ist Bau-Techniker.
Sie bekommen 2 Söhne: Jürgen und Theo.
3 Jahre später stirbt Heinrich Schubert.
Er schwimmt tot in der Ilmenau.

Das ist für Therese Schubert ein Schock.
Sie wird krank.
Sie kommt in den Ginsterhof bei Harburg.
Sie kommt ins besondere Kranken-Haus in Lüneburg.
Sie kommt in eine Privat-Klinik nach Schleswig-Holstein.
Ihre Schwester Christine kümmert sich um Jürgen und Theo.

1936 kommt Therese ins Kranken-Haus nach Lüneburg zurück.

Theo soll ihr Essen und Kleidung bringen.
Das macht er nicht.
Er hat Angst.
Er gibt die Sachen am Eingang ab.
Er sieht seine Mutter nie wieder.

Im April 1941 wird Therese Schubert in die Aktion T4 verlegt.
Sie wird am 28. Mai 1941 in Hadamar ermordet.

Die Familie bestattet die Urne.
Mit ihrer angeblichen Asche.
Sie bekommt ein Grab im Grab von ihrem Ehe-Mann Heinrich.