Lüneburg war im Nationalsozialismus Gau-Hauptstadt, Sitz der
Regierungsvertretung, eine Kreis- und Garnisonsstadt mit einem
Gesundheitsamt und vier Kasernen, in denen die Ehe- und Wehrtauglichkeit
geprüft wurde. Lüneburg war zudem Standort der Polizeibehörde,
Gerichtsstandort mit einem »Erbgesundheitsgericht« und es gab ein
Städtisches Krankenhaus sowie eine Heil- und Pflegeanstalt, deren
Einzugsgebiet sich von Lüchow-Dannenberg bis nach Cuxhaven, von
Harburg bis nach Gifhorn erstreckte. Aufgrund dieser Strukturen ließen
sich die im Nationalsozialismus befürworteten und begünstigten
rassenhygienischen Maßnahmen geradezu idealtypisch umsetzen.
Der Anteil der Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen, die durch
Beschlüsse des Lüneburger »Erbgesundheitsgerichtes« vollstreckt wurden,
war nahezu doppelt so hoch wie andernorts. Rund 2.000 Erkrankte und
Menschen mit Beeinträchtigungen, die in der Heil- und Pflegeanstalt
Lüneburg sowie im Städtischen Krankenhaus auf Heilung und Pflege
hofften, starben gewaltsam im Rahmen verschiedener »Euthanasie«
Maßnahmen. Hunderte Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder
normenabweichendem Verhalten wurden in der »Kinderfachabteilung«
ermordet. Hunderte erwachsene Erkrankte wurden in Tötungsanstalten
verlegt, hunderte Erkrankte mit ausländischer Herkunft wurden in den
»Abteilungen für Ostarbeiterinnen und Ostarbeiter« umgebracht oder über
die »Ausländersammelstelle« Lüneburg deportiert und ermordet.
Im Stadtgebiet gibt es 25 Orte, die mit diesen rassenhygienischen
Verbrechen in Verbindung stehen. Es sind Tatorte, es sind ehemalige
Wohnorte einzelner Opfer, es sind heute noch bestehende Gräber und
es sind Erinnerungsorte. Dieser Stadtplan soll Sie dabei unterstützen, die
Orte zu finden. Zu jedem dieser Orte des Erinnerns finden Sie eine kurze
Hintergrundinformation.
Der Stadtplan entstand in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt
Lüneburg e. V. An der Erarbeitung waren insgesamt 49 Pflegeauszubildende
der zwei Berufsfachschulen für Pflege beteiligt. Die Herstellung wurde aus
einer Spende der Landeszeitung für die Lüneburger Heide ermöglicht. Die
Gedenkstätte wird institutionell gefördert von der Stiftung niedersächsische
Gedenkstätten, von der Psychiatrischen Klinik Lüneburg, von der Hansestadt
und dem Landkreis Lüneburg.

In der Nazi-Zeit gibt es in Lüneburg viele Nazis.
Und viele Einrichtungen die mitmachen.
Zum Beispiel das Amt für Gesundheit.
Oder das Gericht.
Oder das Sozial-Amt.
Lüneburg ist in der Nazi-Zeit auch Haupt-Stadt.
Es gibt 4 Kasernen.
Es gibt ein Krankenhaus.
Es gibt eine Anstalt.
Darum werden in Lüneburg besonders viele Menschen von Nazis verfolgt.
Sie werden in der Kaserne geprüft.
Sie werden als Kranke gemeldet.
Sie werden gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht.
Sie kommen in eine Anstalt.
Und viele werden auch ermordet.
Weil sie erkrankt sind.
Oder weil sie eine Behinderung haben.
Oder weil sie nicht so sind wie Nazis sich Menschen vorstellen.
Zu den Opfern gehören sehr viele Kinder und Jugendliche.
Und sehr viele Opfer aus dem Ausland.
Es sind Zwangs-Arbeiter.
Sie werden in der Nazi-Zeit nach Deutschland verschleppt.
Zu den Opfern gehören auch erwachsene Erkrankte.
Sie sind alle Opfer vom Krankenmord in Lüneburg.
In Lüneburg gibt es heute 25 Orte mit dieser Geschichte.
Es ist die Anstalt.
Es ist das Krankenhaus.
Das sind beides Tat-Orte.
Beide Einrichtungen gibt es noch heute.
Genauso wie das Gericht.
Und eine Hilfs-Schule.
Das Amt für Gesundheit ist jetzt woanders.
In der Nazi-Zeit war es im heutigen Gericht.
Und es gibt die Wohn-Orte der Opfer.
Ihre Familien wohnen da nicht mehr.
Aber es gibt Stolpersteine im Geh-Weg.
Darauf steht nur der Name.
Und wann die Person gelebt hat.
Und es gibt die Gräber von den Ermordeten.
Die gibt es auf 2 Friedhöfen in Lüneburg.
Der Plan hilft diese Orte zu finden.
Er zeigt die Wege zu den Orten.
Zu jedem Ort gibt es Fotos.
Von einem Stolperstein.
Oder von dem Gebäude.
Oder von der Person um die es geht.
Zu jedem Ort gibt es eine Erklärung.
Die Geschichte der Person wird erzählt.
Oder die Geschichte der Einrichtung.
Es geht immer um den Krankenmord und die Nazi-Zeit.
An diesem Plan haben viele mitgearbeitet.
Es sind Pflege-Schüler.
Von 2 Pflege-Schulen.
Ein paar Bilder kommen von der Geschichts-Werkstatt.
Alles andere hat die Gedenkstätte gemacht.
Mit einem Zeichner.
Aus einer Spende der LZ haben wir alles bezahlt.
Dafür sagen wir Danke.
Mehr Information gibt es hier:
„Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg
Telefon: 04131 60 228970
E-Mail: info@gedenkstaette-lueneburg.de
Oder benutze den QR-Code.

















